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Fragen und Antworten zur Zukunft des Grevener Rathauses

Das Grevener Rathaus aus südöstlicher Richtung.
Das Grevener Rathaus aus südöstlicher Richtung.
Der Rat der Stadt Greven hat sich dafür ausgesprochen, dass das PCB-belastete Grevener Rathaus zurückgebaut und mittelfristig ein Neubau errichtet wird. Wir haben hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema zusammengestellt.

Warum musste jetzt über die Zukunft des Grevener Rathauses entschieden werden?

2013 ist festgestellt worden, dass das Grevener Rathaus sanierungsbedürftig sei. Ab 2017 wurden die Planungen für eine umfassende energetische Sanierung konkretisiert, in Verbindung damit sollte ein innovatives Nahwärmenetz zur Beheizung des Rathauses und anderer städtischer Gebäude errichtet werden. 2018 bescheinigte die Baukultur-Abteilung des Landschaftsverbands LWL dem 1973 errichteten Rathaus aus Sichtbeton hohen Denkmalwert, es wurde als stadtbildprägendes und stilistisch besonders gelungenes Bauwerk der deutschen Nachkriegsmoderne eingestuft.

Im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung wurde 2019/20 ein umfassendes Schadstoffgutachten für das Rathaus erstellt. Dieses Gutachten ergab, dass der Bau mit Schadstoffen belastet ist, darunter Weichmacher aus der Gruppe der Polychlorierten Biphenyle (PCB), die aus Fugen und Mauern in die Raumluft abgegeben werden und auf Dauer die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen können, die im Rathaus arbeiten. Diese fortdauernde PCB-Belastung der Rathausbelegschaft gab den Ausschlag, dass schnell für Klarheit über die Zukunft des Rathauses gesorgt werden musste.

Warum gelten PCB als Schadstoffe?

PCB wurden seit den 1950er Jahren als Weichmacher und Flammschutzmittel in elektrotechnischen Bauteilen, für Fugenmassen und auch für Anstriche verwendet. Laut Gefahrstoffrecht sind PCB inzwischen als möglicherweise krebserregend eingestuft. Wenn sie über lange Zeit in sehr hohen Konzentrationen aufgenommen werden, können sie sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit, auf Leber, Schilddrüse, Haut, Nerven- und Immunsystem auswirken. Grundsätzlich sollte also für eine PCB-freie Umgebung gesorgt werden.

Was wurde beschlossen?

Der Rat hat in seiner Sitzung am 22. Juni 2021 beschlossen, die Planungen für eine grundlegende Sanierung des Grevener Rathauses nicht weiterzuverfolgen. Stattdessen soll das Rathaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Warum kann das Rathaus nicht saniert werden?

Zwei Fachgutachten unabhängiger Bausachverständiger sind 2020 und 2021 zu dem gleichen Ergebnis gekommen, dass das jetzige Rathaus nicht nachhaltig erfolgreich saniert werden kann. Denn es müsste dabei so viel Material von den Oberflächen der Mauern und Stützpfeiler abgetragen werden, dass das Gebäude nicht mehr standsicher wäre. Außerdem könne nicht vorhergesagt werden, ob das PCB, das tief ins Mauerwerk eingedrungen ist, überhaupt vollständig entfernt werden könnte. Klar ist, dass eine Sanierung den Bau so weitgehend verändern würde, dass wesentliche denkmalwürdige Details im Inneren zerstört würden (zum Beispiel die charakteristische Oberfläche der Innenwände, die durch die Verschalung beim Guss der Mauern entstanden ist und ein besonderes Merkmal solcher Sichtbetonbauten ist).

Können bestimmte Teile des Rathauses erhalten/in einen Neubau integriert werden?

Es gab Überlegungen, zumindest den nach Süden vorgelagerten Plenartrakt des jetzigen Rathauses zu erhalten und vielleicht in einen Neubau zu integrieren. Diesem Wunsch wird insbesondere in dem jüngsten Baugutachten eine klare Absage erteilt. Auch dieser Plenartrakt sei derart mit Schadstoffen belastet, dass er saniert werden müsste, doch sei ein nachhaltiger Sanierungserfolg hier ebenso wenig vorhersagbar wie beim Rest des Gebäudes. Besonderes Gewicht bekommt dieses Urteil dadurch, dass das Gutachten von einem durch den LWL (als beteiligte Fachbehörde Denkmalschutz in dem Verfahren) vorgeschlagenen Sachverständigen angefertigt worden ist, der in dem Ruf steht, die Schutzwürdigkeit von Denkmälern sehr hoch zu achten.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Wochen muss nun „das Benehmen mit dem Denkmalschutz“ hergestellt werden. Das bedeutet, dass die Obere Denkmalbehörde auf Basis der vorliegenden Gutachten zustimmen müsste, dass das denkmalgeschützte Grevener Rathaus aus den genannten Gründen abgerissen werden darf. Die Verwaltung wird dann eine sogenannte Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Darin sollen verschiedene Varianten eines Rathausneubaus an unterschiedlichen möglichen Standorten gegenübergestellt werden. Als Grundlage aller Überlegungen soll gemeinsam mit Bürger*innen, Politik und Verwaltungsmitarbeiter*innen herausgearbeitet werden, welche Anforderungen an das Gebäude, den Standort und das Umfeld gestellt werden müssten. Es soll ausdrücklich kein reiner Zweckbau entstehen, sondern ein Rathaus, das sich als für Greven bedeutsames Bauwerk in eine nachhaltige städtebauliche Gesamtplanung einpasst.
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