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Bürger-Wettbewerb "Treibgut-Ems-Geschichten"

Anekdoten, Kurioses, Wissenswertes oder besondere Erinnerungen und Erlebnisse im Zusammenhang mit Grevens Fluss – das sind die Ems-Geschichten, mit denen die Sitzgelegenheiten in der Innenstadt, die so genannten "Treibgut-Elemente" beschriftet sind. Aus diesem Grund fand vom 15. April bis zum 15. Mai 2015 der Bürger-Wettbewerb "Treibgut-Ems-Geschichten" statt.

Eine Jury hat aus allen Einsendungen die Geschichten ausgewählt, die jetzt auf den Treibgut-Elementen zu lesen sind. Die Texte finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Ende Oktober wurden die Messingplatten mit den Ems-Geschichten auf die 12 Treibgut-Elemente in der Innenstadt montiert.

Zum Pressetermin am 28. Oktober 2015 trafen sich die Treibgut-Autoren zu einem gemeinsamen Rundgang mit Bürgermeister Peter Vennemeyer am Treibgut Nr. 10 am Fritz-Pölking-Platz. Dort enthüllten die Kinder der Kindergruppe Kinderland ihre Ems-Geschichte von der Ameise auf der Ems.

Der Prozess zur gestalterischen Aufwertung der Innenstadt

Die Stadt Greven hat im Rahmen der Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt (iHK) einen Prozess zur gestalterischen Aufwertung der Innenstadt begonnen.

Da die Ems mit ihren verschiedenen Facetten sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell ein zentrales Thema für die Bürgerinnen und Bürger Grevens darstellt, sollte dieses Prinzip auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Treibgut-Elemente konsequent weiterverfolgt werden.

Das Ems-Treibgut für die Grevener Innenstadt

Das Büro greenbox Landschaftsarchitekten aus Köln – 1. Sieger des Architekten-Wettbewerbs zur Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt (iHK) – hat das Thema "Ems in die Stadt" unter anderem durch ein als "Ems-Treibgut" bezeichnetes symbolisches Gestaltungselement in ihren Entwürfen zur Gestaltung der Innenstadt verankert. Das "Ems-Treibgut" für Greven ist somit nicht nur Sitz- und Gestaltungselement zur Möblierung der Innenstadt, sondern es beschäftigt sich mit dem Fluss, widmet sich seinen Geschichten und spürt seiner Bedeutung für die Stadt nach. Die Treibgut-Elemente werden mit Geschichten über die Ems beschriftet und an verschiedenen geeigneten Stellen in der Innenstadt aufgestellt werden.

Die Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes für die Grevener Innenstadt wird gefördert von:

Logo "Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden"
Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Die ausgewählten Treibgut-Geschichten

Fähren in Gimbte

1950 kam es zum Brückenschlag. Autos fahren jetzt dort, wo einst die Pünte ihren Dienst versah. Gimbtes Fähren sind Geschichte, Romantik und Gefahren Vergangenheit.

Grevens Bauerschaften rechts der Ems, Bockholt, Fuestrup und Guntrup, lebten von und mit der Fähre. Nur über die Ems führte der direkte Weg nach Gimbte, auch für das Vieh. 1939, nach fast 100 Jahren, stellten Gerdemanns den Betrieb dieser historischen Fähre ein. Fortschreitende Motorisierung auf verbesserten Verkehrswegen hatte sie erübrigt. Noch steht das 1841 vom Bauer Gerdemann erbaute Fährhaus.

Unweit davon hielt der Hof Stegemann mit einer kleineren Fähre die Personen-beförderung über die Ems weiter aufrecht. Handbetrieb am gespannten Drahtseil war es, von 6 – 22 Uhr. Die Kundschaft zog an der Glocke. Der Tarif: 10 Pfennig. Hochwasser und Eis – kurzzeitig half schon mal eine geschlagene enge Fahrrinne – waren kaum zu über-winden.

Graue Kahnplanken, ein schnappender Fisch, das Spiegelbild, grüne Ufer, Ursprüngliches einer beschaulichen Ems sind jedoch bleibende Erinnerungen; auch an zahllose Gespräche mit einem freundlichen Fährmann.

Manfred Frede


Ein spektakulärer Hochwasserschutz

Bevor die Ems in Greven begradigt und eingedeicht worden war (1951-1955), hatte die Gastwirtschaft Elberfeld am Niederort, später Drogerie Waespe, alle paar Jahre das Hochwasser der Ems im Haus. Die Gäste waren es gewohnt, dann tagelang über Stege zu gehen und auf einer Art Floß zu sitzen, das auf leeren Bierfässern schwamm.

Bei einer solchen Gelegenheit soll in feuchter Runde - im doppelten Wortsinn - mit Pluggen Hiärm ein Vertrag geschlossen worden sein, in dem sich "Herr Hermann Plugge" verpflichtete, innerhalb von vier Wochen das ganze Haus um einen Meter anzuheben. Der hatte schon Erfahrung mit dem Versetzen von Fachwerkhäusern. Mit Winden, Hebeln, Seilen und weiterem Werkzeug hob er den Bau langsam an, bis er in der Luft schwebte und ein neues Fundament darunter gemauert werden konnte. Ob es danach in der Kneipe trockener zuging, ist nicht überliefert.

Heimatverein Greven von 1982 e.V.


Die größte Stadt in Engelland ist London an der Thems – das größte Dorf im Münsterland ist Greven an der Ems

Erst die Emsschifffahrt machte Greven zum Handelsort mit überregionaler Bedeutung. Die drei großen Stapellagerplätze an der Ems waren letztlich eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass der berühmte Grevener Markt jährlich im August stattfand. Ohne die Verbindung ins Emsland, zur Nordsee und den östlichen Niederlanden hätte das Münsterland nicht die wirtschaftliche Versorgung genossen, die die Emsschifffahrt spätestens ab 1200 gewährleistete.

Jahrhundertelang ist die Ems für den Handel des Münsterlandes von größter Bedeutung gewesen. In Ermangelung gut ausgebauter Wege und Straßen bot die Flussschifffahrt die wichtigste und günstigste Transportmöglichkeit. Über die Ems wurde ein beträchtlicher Warentransport abgewickelt. Für die Residenzstadt Münster war die Emsschifffahrt beim Handel mit den ostfriesischen Gebieten und den nördlichen Niederlanden und England ein unverzichtbarer Handelsweg. So entwickelte sich das Dorf Greven ab dem 13. Jahrhundert zum bedeutenden Flusshafen Münsters.

Als einer der wenigen Flüsse, dessen Lauf seit der frühen Neuzeit ausschließlich durch deutsche Territorien verlief, bot die Ems günstige Handelsmöglichkeiten, von Konflikten um Zölle und Liegerechte mit der Stadt Emden und den ostfriesischen Gebieten abgesehen.

Greven gewann vom 16. Jahrhundert an eine wichtige Stellung als der am weitesten im Inland liegende Emshafen. Diese Stellung konnte bis in das frühe 19. Jahrhundert behauptet werden.

Wichtigstes Transportmittel waren die flachbodigen Pünten, die zeitweise sogar in Greven gebaut wurden. Über die Ems wurde auch das Holz für die Schiffswerften im Emsland geflößt.

Die wirtschaftliche Bedeutung Grevens als Textilstandort ist ohne die Emsschifffahrt nicht denkbar. Bedeutende Kaufmannsfamilien wie Becker, Biederlack, Cramer, Temming und Schründer haben den Emshandel genutzt. Sie schufen die Voraussetzungen dafür, dass Greven im 19. Jahrhundert zu einem Zentrum mit zahlreichen Textilfabriken wurde. Die ältesten und größten Fabriken lagen nicht ohne Grund direkt an der Ems.

Volker Innemann M.A.


Zeit, einmal Danke zu sagen!

Oh, Ems, meine liebe Freundin! Wir beide haben wirklich eine ganz besondere Beziehung. Du begleitest mich schon fast mein ganzes Leben lang. Und es gibt so viele schöne Erinnerungen…

Schon als Kind hast Du für nasse Socken beim Spielen und für anschließenden Ärger mit der Mutter gesorgt. In der Grundschule lernten wir dann brav, dass Du in der Senne entspringst, 371 km lang bist und in die Nordsee fließt. Die Geschichtsstunde über die schiffbare Ems mit ihren Pünten folgte dann etwas später.

Wie gerne denke ich an die ersten kühnen Angelversuche, immer in der Angst, erwischt zu werden. Oder an wunderbare lange Sommerabende an Deinem Ufer am Lagerfeuer. Ein ganz besonderer Moment war natürlich das erste Rendezvous am lauschigen Altarm an der Hassel. Aber auch die schönen Wanderungen und Pättkestouren Richtung Gimbte. Unvergessen die Paddeltour, die mit so viel Spaß begann und mit gekentertem Boot endete – ganz unschuldig warst Du daran auch nicht, oder? Und erinnerst Du Dich noch an den verregneten Maigang, an dem Du unbedingt über Deine Ufer treten wolltest und uns den Rückweg abgeschnitten hast? Seit ich in die Jahre komme und das Walken angefangen habe, genieße ich jede Woche Deine Gesellschaft.

Ja, es gehören wirklich so viele Geschichten zu Dir und mir.

Und seit man Dir nun den Beach an die Seite gelegt hat, kommen jedes Jahr neue schöne Erinnerungen dazu. Da habe ich wirklich keine Angst, dass unsere Beziehung langweilig wird oder ihr die Puste ausgeht. Ich bin sicher, wir werden auch weiter die besten Freundinnen sein. Ich mit meiner manchmal etwas hektischen Mensch-Art und Du mit Deiner entspannten Fließgeschwindigkeit und Deiner Ruhe – wir beide passen einfach wunderbar zueinander. Also, Ems: vielen Dank für Deine Freundschaft. Wie schön, dass es Dich gibt!

Deine Freundin Jutta Lamboury


Pluggen Hiärm als Flößer

Wer weiß noch, dass auf der Ems früher nicht nur die Pünten unterwegs waren, sondern auch viele Flöße?

Eigentlich war der lange Hiärm ja Wagenbauer, aber irgendwann in seinen jungen Jahren reizte es ihn, ein Floß mit Schiffsbauholz nach Papenburg zu bringen. Das war nicht ungefährlich und mancher war dabei umgekommen. Aber er vertraute auf seine Geschicklichkeit und auch auf die Hilfe seines Freundes, des dicken Wilmken, den er angeheuert hatte. Auf Krögers Kämpken klammerten sie dicke Eichenstämme zusammen, bauten eine Art Zelt darauf und versahen sich mit Proviant für eine Woche und einigen Flaschen Korn.

Mit Hilfe zweier langer Staken stießen sie sich ab und los ging die Reise.

Alles ging gut bis zur Schleuse Listrup nördlich von Rheine. Als Hiärm sah, wie neben der Schleuse das Wasser über ein Wehr rauschte, erwachte seine Abenteuerlust. Wie wäre es, wenn sie sich mit ihrem Gefährt einfach dort hinuntertreiben lassen würden? Das hatte sicher noch niemand gewagt. - Natürlich ging das schief. Das Floß lief auf einen Unterwasserfelsen und brach auseinander. Beide retteten sich mit Glück an Land und erbaten sich von Anwohnern Seile und Flaschenzüge, um die Stämme wieder zusammenfügen zu können. Es war nicht das letzte Abenteuer bevor sie das Holz bei einer Werft in Papenburg abliefern konnten. Man sagt aber, dass Pluggen Hiärm sich vorgenommen haben soll, in Zukunft seine Unternehmungen besser zu planen.

Frei nach A. Wieners
Heimatverein Greven von 1982 e.V.


Bergauf

Die Ems war immer schon ein Zeichen unsrer Stadt
Auch wenn sie Beklagenswertes zu berichten hat.
Dereinst mäanderte sie durch die Auen
Und war recht idyllisch anzuschauen.
Auch die Tierwelt war vertreten allenthalben,
Man denke hier nur an die Uferschwalben.
Doch plötzlich war der Weisheit letzter Schluss,
Dass man die Ems begradigen muss!
Vorbei war's nun mit dem gemächlichen Fließen,
Im Frühjahr und Herbst sah man das Wasser über die Ufer schießen.
Zu alledem wurde reichlich Schmutzwasser eingeleitet,
Das dann nicht nur den Fischen den Tod hat bereitet.
Erst spät wurd' man schlau und hat sich gedacht:
Besser wär's, wenn man alles rückgängig macht.
Natürlich beliefen sich die Investitionen
Auf ganz beträchtliche Millionen.
Auch heimische Firmen besannen sich bald.
Sie schonten den Fluss der Umwelt zuliebe halt.
So haben auch die Angler ihre Freude wieder
Und lassen sich gern am Emsufer nieder.
Es kommt noch besser, man geht mit der Zeit,
Am sandigen Ufer macht sich jetzt auch die Jugend breit.
Im Frühjahr eröffnet man die Saison am Strand,
Doch der heißt jetzt "Beach", das ist ja bekannt.
Der Fluss ist nun eine beliebte Kulisse
Nicht nur für Getränke und kulinarische Genüsse.
Im Sommer gibt's vielerlei Konzerte vom Feinsten,
Im weißen Sand tummeln sich derweil die Kleinsten.
Unterm Strich können wir also notieren,
Dass wir heute viel Gutes mit der Ems assoziieren.
Wenn wir die physikalischen Gesetze übersehen,
Scheint es mit dem Fluss tatsächlich bergauf zu gehen.

Friedhild Robertson-Häder


Das Jahrhundert-Hochwasser 1946

Günter Gronotte erzählt:

An einem Februartag des Jahres 1946 rief mich Herr Ahlert aus einem oberen Fenster seines Textilgeschäftes im Niederort heran und fragte mich, ob ich nicht seine Ladenkasse retten könne.

Ich zögerte nicht lange und steuerte mein Paddelboot durch die offenstehende Tür geradewegs in das Geschäft hinein. Das war nicht schwer, denn im Niederort war die Strömung mäßig. Ich fand die Kasse noch knapp über der Wasseroberfläche und nahm sie an mich.

Ganz anders sah es in der Emsniederung aus. Wir wohnten damals im Hause Ziock an der Bahnhofstraße, jetzt Nordwalder Straße. Alle Häuser dort ragten als Inseln aus einem großen See heraus, der von Martinistraße und Münsterstraße bis zur Bahnlinie reichte.

Mein Boot schwamm während der großen Flut im Hausflur, und als meine Mutter

mir als dem Ältesten - ich war 16 - den Auftrag gab, beim Bäcker Bokel an der Emsdettener Straße Brot für uns und die Nachbarn zu besorgen, fuhr ich zum Fenster hinaus. Das hört sich einfacher an, als es war, denn ich musste höllisch aufpassen, um nicht in die starke Strömung zwischen unserm und dem Nachbarhaus zu geraten.

Ich wollte in der Nähe des Bahnhofs anlegen, als ich dort hörte, dass ein rotes Faltboot in der Nähe gekentert und gesunken sei. Ein rotes Boot? Das konnte nur mein Schulfreund Heino sein. Ich stieß mich ab und fuhr zum Voßkamp. Dort entdeckte ich Heino blaugefroren im Geäst einer Pappel und hievte ihn mit viel Mühe in mein Boot. Ähnlich war ich schon am Vortag mit dem russischen Koch Jymka verfahren, der von der Ems mitgerissen worden war und sich auf Schneider Wentkers Kaninchenstall gerettet hatte.

Heimatverein Greven von 1982 e.V.


Dass Greven seit alter Zeit und noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein Hafenort war, ist heute vielfach in Vergessenheit geraten.

Das Bild beruht auf einer historischen Ansicht Grevens aus der Zeit vor der Industrialisierung um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Es zeigt einen Landeplatz für die Emspünten auf "Krögers Kämpken" (Emsinsel). Über die „Neue Brücke“ (gebaut 1777, ersetzt 1885) im Hintergrund verlief der Weg nach Nordwalde.

Heute findet man die Stelle ungefähr zwischen der Umgehungsstraße (B 219) und dem Pflegewohnheim bzw. dem Baumarkt, denn die Ems floss damals noch dort, wo jetzt die Philipp-Manz-Straße von der Kardinal-von-Galen-Straße abzweigt und dann nach Nordwesten.

Ursprünglich waren die Pünten bis zur Burg Schöneflieth gefahren, wo die Waren zu Gunsten der Burgherren verzollt werden mussten, bevor sie mit Pferdefuhrwerken nach Münster geschafft wurden. So gesehen war Greven damals auch der Hafen von Münster.

Heimatverein Greven von 1982 e.V.


Kindliches Treibgut

Erfrischend war der Sprung in das seichte Wasser am Ufer der Ems auf Höhe der alten Holzbrücke bei Gimbte. Ganz am Ende der Schützenstraße wo mein Bruder und ich unser Schlauchboot zu Wasser ließen, welches wir vom Südviertel bis hierher getragen hatten.

Die "ganze Ems" hinab wollten wir, was damals für uns von besagter Holzbrücke bis zur Autobrücke der Nordwalder Straße war. Danach war "unsere Ems" zu Ende.

Ruhig und gemächlich fuhren wir unter der Autobahnbrücke hindurch, am Stadtpark mit unseren Indianerhütten vorbei, am Deich und unseren Angelplätzen entlang. Aber es war gar nicht so spannend, wie wir uns die Fahrt erhofft hatten. Bis zum Freibad. Hier freuten wir uns zunächst über unseren Einfall, in Zukunft einfach mit dem Boot anzulegen um die 1,50 DM Eintritt pro Person einzusparen.

Doch plötzlich erinnerten wir uns beide, was wir nach einem der letzten Freibadbesuche vor der Brücke nach Münster entdeckt hatten: Den "Wasserfall", auf den wir gerade nicht mehr ganz so gemächlich, zutrieben. Die Strömung wurde bereits schneller und wir versuchten zunächst in Panik dagegen an- und die Ems hinauf zu paddeln. Doch der Strom war bereits zu stark und wir blieben auf der Stelle so sehr wir uns auch anstrengten. Unsere Kräfte ließen nach und wir trieben weiter auf die Steine zu, die vor uns aus dem Wasser schauten.

Erst auf den letzten Metern vor der vermeintlichen Gefahr erkannten wir, dass die Ems hier im Hochsommer nur wenige Zentimeter tief war und wir einfach aus dem Boot aussteigen und ans Ufer waten konnten.

Gerettet!

Sven Brinkhoff



Franz Hartje erzählt

Als die alliierten Truppen auf Greven vorrückten, sprengten deutsche Soldaten in der Nacht zum 31. März 1945 die Wierlemann-Brücke bei der GBS und die Schöneflieth-Brücke. Diese stürzte so ab, dass der Mittelteil im Fluss lag und die beiden Enden vom Ufer her schräg nach unten führten. Meine Kusine Anni Kloppenborg hat mir einmal erzählt: "Wir Mädchen und Jungen standen auf dem Mittelteil bereit, um Radfahrern beim Hinaufschieben der Räder zu helfen. Dafür wurden wir mit kleinen Naturalien belohnt. Wir ließen uns auch nicht durch Verbote hindern, dieses für uns spaßige Spiel fortzusetzen."

Trotz der Gegenwehr von deutscher Seite bauten die Alliierten neben den Trümmern der Wierlemann-Brücke eine Baileybrücke (Behelfsbrücke) über die Ems. Später errichteten sie an Stelle der alten Brücke eine zweite Behelfsbrücke, an der ein schmaler Fußsteig aus Holzbohlen entlang lief, der mit doppelten Drahtseilen gesichert wurde, damit niemand abstürzen konnte.

Ich war damals vier Jahre alt und kann mich an ein besonderes Erlebnis erinnern: Mittags holte mich meine Mutter immer vom Kindergarten im Gertrudenstift ab. An diesem Tag wurde mir das Warten zu lang, und so ging ich über den Niederort bis zur Behelfsbrücke an der GBS. Ich stellte mich auf das untere Drahtseil und hielt mich schaukelnd an dem oberen Seil fest. Meine Mutter suchte mich mit großer Sorge. Endlich entdeckte sie mich, schaukelnd an den Drahtseilen über dem Wasser und ihr blieb fast das Herz stehen. Aber sie nahm mich einfach bei der Hand und sagte: „Komm, Franz, wir gehen jetzt nach Hause!“ Und ich ging brav mit ihr über den Fußgängergang an der Brückenseite und fand es spannend, durch die breiten Spalten zwischen den Bodenbrettern auf das Wasser schauen zu können. Die Gefahr, dass ich vorher hätte herunterstürzen können, war mir keinen Augenblick lang bewusst gewesen.

Heimatverein Greven von 1982 e.V.


Die Ems prägt die Menschen, der Mensch prägt die Ems

In der Weichsel-Eiszeit (ca. 120.000 bis 10.000 v. Chr.) wurde das Tal der „Urems“ mit Sanden ausgefüllt. Menschen siedelten an den hochwassersicheren Talkanten, während sich die Ems im flachen Auengebiet immer wieder neue Flussbette grub und so – nach dem Urteil des Historikers Joseph Prinz – für den Ortsnamen Greven (grevaon, „bei den Gräben“) sorgte. Tote Flussbette versandeten, es entstanden daraus Laken, kleine stehende Gewässer. Das Grevener Rathaus steht auf einer solchen Lake, der Straßenname „Hinter der Lake“ zeugt noch davon.

Lange Zeit war der Fluss Ernährer des Menschen, er lieferte Trinkwasser und Fische. Als Handelsweg war die Ems bis ins 19. Jahrhundert von der Nordsee bis zur Schöneflieth schiffbar und wurde von flachen Transportbooten, den Pünten, befahren. Noch heute ist das Wehr Schöneflieth Ems-Kilometer 0, von dort zählen flussabwärts die Wasserstraßenkilometer.

In den 1930er Jahren wurden zahlreiche Emsschleifen begradigt, um die Sommerhochwasser zu begrenzen. Dennoch sorgten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, zuletzt 1946, regelmäßige Hochwasser der Ems für Überschwemmungen des Flusstals bis zu den Talkanten. Da die Bebauung inzwischen auch im Flusstal lag, wurde zu Beginn der 1950er Jahre durch Begradigung und Eindeichung der Ems der Stadtkern vor dem Fluss geschützt. Erst Ende der 1990er Jahre wurde die Emsaue als Naherholungsgebiet wiederentdeckt.

Stadtarchiv Greven


Außerdem hat die Jury drei Zeichnungen von Dagmar Dahmen ausgewählt:

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Abbildung: greenbox Landschaftsarchitekten
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