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Keine Sekundarschule für Greven

Das Votum der befragten Eltern war eindeutig: Das Interesse an der Einrichtung einer Sekundarschule in Greven ist deutlich zu gering.

Bürgermeister Peter Vennemeyer: "Persönlich bin ich enttäuscht."

Bis zum 1. Juli hatten die Erziehungsberechtigten von 782 Grundschulkindern die Gelegenheit, einen Fragebogen zur Schulentwicklung in Greven zu beantworten. Befragt wurden Eltern, die einen Hauptwohnsitz in Greven haben und deren Kinder zurzeit die zweite oder dritte Klasse einer Grundschule besuchen. Ob die Kinder in Greven oder einem Nachbarort zur Schule gehen, spielte keine Rolle.

Heute stellten Bürgermeister Peter Vennemeyer und der Erste Beigeordnete und Stadtkämmerer Wolfgang Beckermann die Ergebnisse der Elternbefragung der Presse vor. Das mit der größten Spannung erwartete Ergebnis lieferte der Bürgermeister gleich zu Beginn des Pressegesprächs: „Die Sekundarschule ist in Greven erst mal vom Tisch.“ Insgesamt beteiligten sich die Erziehungsberechtigten von 401 Grundschulkindern an der Befragung. Das entspricht einer Rücklaufquote von etwas mehr als 50 Prozent. Von diesen Erziehungsberechtigten bekundeten insgesamt 55 ihr Interesse, ihre Kinder zu einer teilintegrierten Sekundarschule anzumelden, davon 26 der „Zweitklässler-Eltern“ und 39 der „Drittklässler-Eltern“. Hochgerechnet auf eine Rücklaufquote von 100 Prozent reichte das bei weitem nicht aus, um die Zahl von mindestens 75 Interessensbekundungen je Jahrgang auch nur annähernd zu erreichen. Tatsächlich wären es nach einer Hochrechnung nur 56 (zweite Klasse) bzw. 53 (dritte Klasse) Interessensbekundungen gewesen.

„Formal ist das Ergebnis sehr eindeutig“, stellte Vennemeyer fest. „Das Interesse der Eltern zur Einführung einer Sekundarschule ist in Greven nicht groß genug.“ Die Bezirksregierung, der man die Ergebnisse am Montag mitgeteilt habe, reagierte umgehend und sieht „erkennbar keinen Bedarf für die Sekundarschule in Greven“. Die offizielle Stellungnahme soll noch am Dienstag bei der Verwaltung eingehen.

Seinen Mitarbeitern bescheinigte der Bürgermeister eine tadellose Abwicklung des Auftrags aus dem Ausschuss für Schulen, Kultur und Sport: „Als Verwaltung haben wir eine neutrale Haltung eingenommen und alles dafür getan, die Eltern bestmöglich über die Alternativen in der Schulentwicklung zu informieren. Wir haben das Verfahren transparent und problemlos abgewickelt.“

Als Chef der Verwaltung könne er mit dem Verfahren also sehr zufrieden sein, persönlich mache er aus seiner Enttäuschung aber keinen Hehl: „Ich habe immer gesagt, dass ich der festen Überzeugung bin, dass die Einrichtung einer Sekundarschule in Greven die beste Option für die Schulentwicklung gewesen wäre. Dabei bleibe ich. Denn das Problem, dass wir künftig nicht jedem Grundschulkind in Greven einen Schulplatz an einer weiterführenden Schule in unserer Stadt anbieten können, haben wir nicht gelöst.“ Dennoch respektiere er natürlich den eindeutigen Elternwillen.

Erster Beigeordneter Wolfgang Beckermann: "Müssen Kirchturmdenken aufgeben."

Dass dieses Ergebnis so eindeutig ausgefallen ist, führt der Erste Beigeordnete Wolfgang Beckermann auch auf diejenigen zurück, die den Fragebogen nicht beantwortet haben: „Wenn man sich die Ergebnisse im Detail anschaut, haben insbesondere die Eltern nicht an der Befragung teilgenommen haben, deren Kinder tendenziell eine Empfehlung für die Hauptschule erhalten könnten.“ Darauf deute jedenfalls die Tatsache hin, dass sich immerhin 55 Eltern mit der Anmeldung an einer Sekundarschule in Greven anfreunden können, aber nur 9 Eltern die Anmeldung an einer Hauptschule für denkbar hielten: „Diese Zielgruppe ist bei den Antwortenden im Vergleich etwa zu den Eltern, die sich eine Anmeldung an der Realschule vorstellen können, deutlich unterrepräsentiert.“ Andererseits schaffe das eindeutige Ergebnis eine klare Handlungsorientierung, so Beckermann: „Das Votum der Eltern ist so eindeutig, dass wir uns mit der Einrichtung einer Sekundarschule in Greven zeitnah nicht mehr befassen sollten.“

Vor dem Hintergrund perspektivisch sinkender Schülerzahlen und immer höheren Anforderungen an die Bildung fordert Beckermann ein Umdenken in der Schulentwicklungsdiskussion: „Seien wir ehrlich: Mit unserem Kirchturmsdenken und ausschließlich lokalen Betrachtungen zu den Angeboten weiterführender Schulen kommen wir auf Dauer nicht weiter.“ Auch in zahlreichen Nachbarkommunen sei seit längerem eine Diskussion um Schulformen entbrannt, oft vor dem Hintergrund der Gefährdung von Schulstandorten. Das Ziel müsse es aber sein, den Eltern und Kindern ein möglichst breit gefächertes Bildungs-Angebot zu unterbreiten. Es sollte für jedes Kind die Möglichkeit bestehen, die Wahl zu treffen, die man als Elternteil für die Beste für die Entwicklung des eigenen Kindes hält. Es sei jedoch zu befürchten, dass bestimmte Schulformen wie die Hauptschulen schon bald aufgrund sinkender Nachfrage nicht mehr existieren können und ein fehlendes Alternativangebot andere Schulen vor erhebliche Probleme stellen könne. Das erfordere aus Sicht Beckermanns, Schulentwicklung „mindestens kreisweit zu denken und zu planen. Mit den Förderschulen haben wir im Kreis Steinfurt bewiesen, dass man das schaffen kann.“

Für Beckermann steht gleichwohl fest: „Die Stadt Greven setzt auf ihren Bildungsstandort.“ Das werde durch laufende und geplante Investitionen in Höhe von rund 25 Millionen Euro eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Verwaltungsvorstand: "Müssen Dialog fortsetzen"

Wie es konkret mit der Schulentwicklung in Greven weitergeht, müssen nach Ansicht des Grevener Verwaltungsvorstandes die weiteren Diskussionen zeigen: „Wir diskutieren über die Schulentwicklung in Greven seit Jahren intensiv und fast immer konstruktiv. Dieser Dialog ist mit dem vorliegenden Ergebnis nicht beendet, weil auch die beschriebenen Probleme nicht gelöst sind. Stand heute wissen wir nur, dass es in naher Zukunft keine Sekundarschule in Greven geben wird.“
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